Warum Sportwetten und Online-Glücksspiel der Regierung ein Dorn im Auge ist

Das Thema Sportwetten wird in Deutschland noch immer sehr kritisch beäugt. Kein Wunder, denn zahlreiche Casino- und Wettanbieter sind in exotischen Ländern und Inseln beheimatet, wo der deutsche Fiskus im Normalfall nur schwer Zugriff haben dürfte. Allerdings darf man diese Branche auch nicht verteufeln, denn wie in jeder anderen Sparte auch, gibt es hier schwarze und weiße Schafe.

Wenn wir von den seriösen Anbietern sprechen, die nachweislich auszahlen und sich auch freiwillig dem deutschen Steuerrecht unterwerfen, dann muss die Frage gestattet sein, warum sich die deutsche Politik mit diesem Thema noch immer so schwer tut? Auf genau diese Frage möchten wir mit ein paar Fakten, Informationen und Beispielen eine Antwort finden.

In Deutschland ist das lizenzierte Glücksspiel erst seit dem Jahre 2008 salonfähig, was aber nicht an der Stimmung der Politiker festzumachen wäre, sondern an der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes, der die Meinung vertrat, dass der Glücksspielstaatsvertrag nicht gerechtfertig sei. Dieser regelte nämlich, dass die staatlichen Glücksspielanbieter, wie z.B. ODDSET oder auch Lotto, weiterhin ihrer Monopolstellung nicht beraubt werden können.

Der Europäische Gerichtshof kippte diesen Vertrag, sodass die Minister der 16 Bundesländer einen neuen Vertrag aushandeln mussten. Mit dem Glücksspieländerungsvertrag kam man der Entscheidung aus Luxemburg nach und somit wurde die Monopolstellung der staatlichen Anbieter untergraben. Nun war der Weg frei für Glücksspielunternehmen, die in Deutschland eine offizielle Lizenz beantragen konnten.

Jedoch machen nicht alle Bundesländer bei der Lizenzvergabe mit, denn bis auf Schleswig-Holstein klammern sich bis jetzt alle anderen Bundesländer noch immer an Anbieter wie Lotto und ODDSET. Das nördlich gelegene Bundesland ist hingegen offener als die anderen und so verteilte das Ministerium für Inneres und Bundesangelegenheiten (Schleswig-Holstein) 23 Lizenzen für den Vertrieb von Online-Casinospielen.

Liste mit offiziellen Lizenznehmern

  • 888 Germany Ltd.
  • bet-at-home.com Internet Ltd.
  • Betway Ltd.
  • Cashpoint Malta Ltd.
  • Electraworks (Kiel) Marke: bwin
  • Greentube Malta Ltd.
  • Hillside (Gibraltar) Ltd.
  • Interwetten Gaming Ltd.
  • Ladbrokes International PLC
  • Löwen Play GmbH
  • Megapixel Entertainment Ltd.
  • OnGoing Media GmbH
  • OnlineCasino Deutschland AG
  • Personal Exchange International Ltd. Marke: Mybet
  • PlayCherry Ltd.
  • Polco Ltd. of Betfair
  • REEL Germany Ltd. Marke: PokerStars
  • Skill on Net Ltd. Genehmigungen: Fernvertrieb Marke: DrückGlück
  • Tipico Company Ltd.
  • Trading Technologies Ltd.
  • Unibet (Germany) Ltd.
  • Victor Chandler (International) Ltd.
  • World of Sportsbetting Ltd.

Eine Reihe dieser Anbieter hat man sicherlich auch schon im Fernsehen zu Gesicht bekommen. Beispielsweise gibt es mit Online Casino DrückGlück und mit der Löwen Play GmbH gleich zwei deutsche Anbieter, die man zum Teil auch aus der Automatenspielbranche kennen dürfte. Bei DrückGlück sorgt Reiner Calmund mit seiner Präsenz für die Seriosität des Unternehmens. Der ehemalige Manager von Bayer 04 Leverkusen ist nämlich das erste offizielle Werbegesicht des Casino-Anbieters.

Ebenso lässt sich mit Onlinecasino.de das erste offizielle Online-Casino aus Deutschland unter den Lizenznehmern entdecken. Wie man sieht, öffnet sich der Markt immer stärker. Allerdings bemerkt man auch, dass seit einiger Zeit keine weiteren offiziellen Lizenzen mehr vergeben wurden.

Dieser Umstand ist sehr bedenklich, denn auf der einen Seite lässt das Bundesland Schleswig-Holstein vermeintlich Geld liegen. Einnahmen, die dem Staat zugutekommen. Die Begründung ist recht simpel: Man möchte sichergehen, dass die staatlichen Anbieter weiterhin am Leben erhalten werden.

Das Ziel Spielsucht mindern und Erträge erhöhen

Die monatlichen Einnahmen bei den staatlichen Anbietern dürften rückläufig sein, nachdem zumindest einige Casino-, Wett- und Lottoanbieter aus privater Hand den Markt erobern. Intern diskutieren Regierungsvertreter über weitere Möglichkeiten, um nationalen und internationalen Buchmachern und Casino-Anbietern Lizenzen zu ermöglichen.

Intern ist man scheinbar etwas ratlos, denn über Jahrzehnte standen die staatlichen Anbieter an erster Stelle in der Nahrungskette. Auf der einen Seite möchte man an diesem Zustand auch nichts verändern, auch wenn die Bestimmungen und Gesetze durch den Glücksspieländerungsvertrag ein wenig gelockert wurden. Auf der anderen Seite schielt man auch auf die potenziellen Steuermehreinnahmen, die der Bund erzielen könnte.

Hier gilt es für die Zukunft, den Spagat zwischen illegalem und legalem Glücksspiel zu vollziehen. Wer nun Strafen befürchtet, der kann beruhigt werden, denn als Spieler kann man nicht belangt werden. Die Verantwortung gegenüber verantwortungsbewusstem Spielen tragen verschiedene Institutionen. Zum einen die Gesetzlage, in der darauf hingewiesen wird, dass man die Suchtprävention im Auge behalten muss und zum anderen die Casinos- und Sportwettenbetreiber, die genau auf diesen Umstand hinweisen muss.

Glücksspiel kann durchaus süchtig machen und daher sucht der Gesetzgeber nach Möglichkeiten, wie labile Menschen, die der Spielsucht unterliegen, geschützt werden können. In den Spielhallen kennt man es: Nach einer Stunde wird der jeweilige Automat in den Ruhezustand versetzt, sodass man erst nach einigen Minuten weiterspielen darf.

Wie man das allerdings bei einem Online-Casino umsetzen möchte, scheint fraglich zu sein. Fakt ist, es müssen Lösungen her, damit das Glücksspiel im Internet nicht zu stark von der Regierung reguliert wird.